Verschwörungstheoretiker, Vorzeige-Veganer & Fitness-Gurus… passt das zusammen?

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Verschwörungstheoretiker, Vorzeige-Veganer & Fitness-Gurus… passt das zusammen?

Arbeitslos mit neuem Hobby: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Gesundheits-Propheten & Verschwörungstheoretikern?

Heute machen ausgerechnet der Vorzeige-Veganer schlecht hin & deutschlands bekanntester Fitness-Guru mit ihren Aussagen Schlagzeilen. Ist das Zufall? Aus psychologischer Perspektive gibt es einige spannende Überschneidungen zwischen Gesundheits- & Ernährungs-Gurus und der aktuellen Bewegung der Verschwörungstheorien.

Welche Elemente sorgen dafür, dass ein Gesundheits-Experte auf die Corona-Schiene aufspringt?

In der Gesundheitsbrache hat die Corona-Krise einen unangenehmen Beigeschmack hinterlassen. Denn die gesellschaftliche Aufmerksamkeit wurde innerhalb weniger Wochen aufs Wesentliche gerichtet, sodass z.B. vegane Kochrezepte, Fitnessübungen und die „Strandfigur-Sommer 2020“ auf einen Schlag an Interesse verloren haben. Oder anders gesagt:

Aktuell interessiert sich keiner mehr für Superfood & Sixpack

Wie kommt es also, dass ausgerechnet zwei der erfolgreichsten Gesundheits-Propheten Deutschlands, in der aktuellen Zeit, auffällig psychotische Züge entwickeln?

Insbesondere für einige Prominente der Gesundheitsbranche, die in den Medien normalerweise mit Gesundheitsthemen viel Aufmerksamkeit erhalten, hat die aktuelle Situation eine außergewöhnliche Wende hervorgerufen. Wie Umgehen, mit dem eigenen Mitteilungsdrang, wenn das eigene Thema nicht mehr auf offene Ohren stößt? Noch stärker polarisieren? Noch lauter schreien? Noch krasser werden?

Gesundheits-Promis haben einen Hang zum Extremismus

Die sozialen Medien fördern die Extreme. Dies liegt in der Natur der Sache. Medien haben den Effekt, dass meist die Dinge, die extrem und außergewöhnlich sind, am meisten Aufmerksamkeit bekommen. Normalität & Vernunft hat auch in der Gesundheitswelt kaum Sensationswert. So wird insbesondere in der Gesundheitsbranche versucht, Produkte und Konzepte möglichst marketingtauglich, sexy und außergewöhnlich zu verkaufen. (von „Mach dich krass“ bis „I make zu sexy“). Insbesondere die Themen Ernährung, Fitness & Gesundheit sind emotional stark aufgeladen, sodass die Assoziation zur Religion von vielen Beobachtern als naheliegend empfunden wird. Diejenigen, die mit dem Thema Gesundheit viel Aufmerksamkeit erhalten, sind auch häufig diejenigen, die mit ihren Sichtweisen und Aussagen polarisieren – Alles andere wäre schließlich langweilig. Was jedoch häufig nicht bedacht wird ist, dass sich in Extremen auch Störungen verbergen können.

Im Extrem liegt die Störung 

Essstörungen ist der Gesundheitsbranche? Arbeitssucht bei Unternehmern? Narzissmus & Selbstwertprobleme bei Promis? Es gibt verschiedene Intentionen, warum man sich mit Ernährung & Gesundheit auseinandersetzt. Manchmal ist es die eigene Gesundheit, manchmal sind es ökologische/ökonomische Gründe, und manchmal sind es moralische/ethische Gründe. Interessant wird es, wenn diese Aspekte eher zur Nebensache werden. Denn Elemente wie Aufmerksamkeit, Geltungsdrang, Zugehörigkeit, Kontrolle, Überlegenheit, Selbstwert & Identität spielen bei Ernährungsformen und im Gesundheitswahn eine große Rolle. Diese Bestanteile können sogar so ausgeprägt sein, dass der Gesundheits-Aspekt zur Nebensache wird und pathologische Muster erkennbar sind. Hier lohnt es sich demnach die Intention hinter einer Ideologie zu hinterfragen. Denn wenn es nicht mehr um Gesundheit geht, worum geht es dann?

Was passiert, wenn der Lebensinhalt, über den ich meine Identität, meine Leistung und meinen Selbstwert definiere, plötzlich wegfällt (aufgrund von Corona)? Wie gehen Menschen damit um, wenn ihre Existenz bedroht wird?

Naheliegend ist es, sich mit aller Energie ein neues Feld zu suchen, in welchem man die gewohnte Aufmerksamkeit erhält, wie zuvor. Ein Phänomen, welches sich auch bei Suchtverschiebung oder Verlagerung erkennen lässt. Während sich im Außen alles verändert, so bleiben die Persönlichkeit und die Denkweise unterm Strich gleich.

Die Argumentations-Struktur bleib dieselbe

Es gibt das „Böse“, die „Schuldigen“ und das „Schlechte“ in dieser Welt, welches es zu bekämpfen gilt. In Krisen suchen Menschen nach Strukturen, reagieren impulsiv und möchten am liebsten die Verantwortung abgeben (also einen Schuldigen finden). Von der Zuckerverschwörung, über Hasstiraden auf die Lebensmittelindustrie, bis hin zu Systemkritik der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. In der Gesundheitsbrache sind, wenn man genauer hinschaut, Verschwörungen schon längst zum Alltag geworden. Hauptsache der schwarze Peter finden einen eindeutigen Platz. Klarheit – Einfachheit – Kontrolle: Alles andere ist psychologisch schwer auszuhalten.

  • Was wäre, wenn es keinen Schuldigen gäbe?
  • Was wäre, wenn es niemanden gäbe, der „böse“ ist?
  • Was wäre, wenn wir alle gemeinsam die Verantwortung für die Situation übernehmen müssten und uns nicht damit zufrieden geben könnten, dass die Schuld bei „den Anderen“ liegt?

Wo „die Wahrheit“ ist, muss auch „die Lüge“ sein

Wer in seiner Persönlichkeit ein Schwarz-Weiß-Denker ist und anderen Menschen versucht „die Wahrheit“ oder „das Richtige“ oder „das Gesunde“ zu vermitteln, der muss konsequenterweise auch „die Lüge“, oder „das Falsche“ oder „das Ungesunde“ enttarnen.

Eine Denkweise, welche in der Gesundheitsbrache schon längst normal geworden ist und aufgrund der aktuellen Interessenverlagerung zu einem Polit-Diskus mutiert ist. So bietet die aktuelle Corona-Krise den Gesundheits-Experten die Möglichkeit, sich intensiv in politische Fragestellungen einzuklinken und zu kritisieren was das Zeug hält. Der Schritt geht dieses mal eben weit über den bisherigen Tellerrand hinaus, sodass die eigene Expertise überschätzt wird und es von außen an Größenwahn erinnert. Das Bedürfnis, sich trotz fehlender Expertise einmischen zu wollen, ist hierbei jedoch stark emotional geprägt und stark impulsiv gesteuert, wodurch ein Großteil der Klarheit, Ruhe und damit der Glaubwürdigkeit verloren geht.

Nicht wer am lautesten schreit, hat automatisch Recht

In der aktuellen Zeit ist es wichtig, rationale Informationen von Pseudo-Argumenten unterscheiden zu können. Insbesondere dort wo es emotional und impulsiv zugange geht, hat selektive Wahrnehmung und Irrationalität ein leichtes Spiel. Um zu erkennen, ob jemand persönlich in ein Thema verstrickt ist und seine persönliche Krise auf sein Umfeld projiziert, gibt es einige Tipps. Ein mögliches Indiz ist folgendes:

Sobald sich ein Experte emotional involvieren lässt, leicht zu provozieren ist, Kritik persönlich nimmt und beleidigt, aggressiv oder kindisch reagiert, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass die Diskussion im Kindergarten endet. 

Ja – Es grenzt an unfreiwilligem Kabarett.

By |2020-06-08T18:51:59+00:00Juni 8th, 2020|Allgemein, Ernährungspsychologie|0 Comments

About the Author:

Als Keynote-Speaker, Trainer und zertifizierter Ernährungsberater/-therapeut habe ich mich der Aufgabe gewidmet, die Hintergründe vom Gesundheits- & Ernährungsverhalten zu erkunden & diese in anschaulichen, amüsanten & ehrlich-provokanten Vorträgen/Seminaren zu vermitteln.