Komisches Bauchgefühl bei FIBO 2018 / Köln.

Nachdem ich mich nun seit einiger Zeit mit der Psychologie hinter dem Gesundheitsverhalten auseinandergesetzt habe, frage ich mich tatsächlich wieviel die FIBO noch mit „Gesundheit“ zu tun hat. Ich erinnere mich an meinen letzten Besuch bei der FIBO, wo ich als aufstrebender Trainer und Gesundheitsexperte wie viele Andere auf dieser gigantischen Messe in Köln umhergeschlendert bin. Von allen Hallen dieser Messe, gab es maximal zwei, bei denen ich pädagogische sinnvolle Konzepte, gesundheitsbezogenen Informationen und ansprechende Aussteller bewundern durfte. Der Rest war in meinen Augen etwas verstörend. Aus heutiger Perspektive frage ich mich wie „ungesund“ die FIBO eigentlich ist.

„Eiweiß-Shakes, Käfigkämpfe, Muskeln  & Popos“

„Diese Menschen sind so diszipliniert!“, höre ich einen Kollegen von mir sagen. Doch ist Disziplin gesund? Ist dieser Effizienz-Drang sinnvoll? Ein „Essgestörter“ ist schließlich auch extrem diszipliniert, manipuliert sich selbst, ignoriert seine Körpersignale und dreht sich gedanklich ständig um das Thema Essen und Schönheit.

Wo ist also die Grenze des guten Geschmacks?

Wenn ich Eines in meiner bisherigen Arbeit gelernt habe dann folgendes: Perfektionismus ist ziemlich gefährlich – wenn nicht sogar eines der Hauptursachen vieler psychischer Erkrankungen mit chronischer Stressbelastung und psychosomatischen Beschwerden. Ob bei Leistungssportlern, Bodybuildern, Models oder Jenen, die Ihre Ernährungsphilosophie bis auf Blut verteidigen – mit Genuss hat es häufig irgendwie nicht mehr viel zu tun.

Kann man sich zu sehr mit seiner Leistungsfähigkeit,
ob beruflich oder körperlich, identifizieren?

Der Burn-Out bzw. fachlich korrekt „die Erschöpfungs-Depression“ resultiert häufig genau daraus, dass Menschen 200 % in einer Sache geben, sich nur noch darüber Identifizieren, ihren Selbstwert daraus beziehen und die sonst so wichtigen Dinge im Leben wie Freundschaft, Familie, Ruhe, Pause, Nichts-tuen, Faulenzen und Genießen vernachlässigen. Vor allem der Genuss bei Essen ist heute längst nicht mehr selbstverständlich und die Ungeduld, sowie der Effizienz-Drang treibt uns von einem Extrem ins nächste. Ich bin inzwischen sehr vorsichtig geworden und beginne zu beobachten, mit welcher Intention Menschen Nahrungsergänzungsmittel, Eiweißshakes, und Diätkonzepte konsumieren, warum in Gesundheits-Gruppen auf Facebook und Co. nur noch Six-Pack-Fotos präsentiert werden und warum sich Anhänger von Ernährungsphilosophien mehr und mehr radikalisieren, sich mobben, und Shit-Storm beim Thema Gesundheit so sehr verbreiten ist. Ich tue mich inzwischen schwer diesen Weg des Gesundheitsmarketings zu gehen und möchte diesen kritischen Blick weiterhin aufrecht erhalten:

SIXPACK OHNE ESSSTÖRUNG – Gesundheit geht vor!

Egal ob bei extrem Übergewichtigen oder bei extremen Fitness-Freaks… beide Gruppen haben einen entscheidenen Punkt, der sie nicht voneinander unterscheidet und den es zu fördern gilt:  ESSEN MEHR GENIEßEN! Ich werde dieses Jahr mal wieder auf die FIBO gehen und lasse die aktuellen Trends auf mich wirken. Evtl. folgt ein Video-Beitrag mit eindrücken und Interviews von der FIBO 2018. Es wird sicherlich spannend. bon appétit.