„Tag der gesunden Ernährung 2018“ – Einfache Fragen die ein Ernährungspsychologe anders beantwortet.

Im Interview zum „Tag der Ernährung“ wurden mir diese simplen Fragen gestellt und scheinbar überraschte ich mit den Antworten, da typischerweise etwas ganz anderes von mir als „Ernährungsberater“ erwartet wurde.

Hier das kleine Interview mit scheinbar ganz einfachen Fragen:

Haben Sie einen Geheimtipp für uns zur perfekten Ernährung für ein gesundes Leben?

Nein, leider nicht (lacht). Wir Menschen wünschen uns für alles eine perfekte und effiziente Lösung. Das ist zwar verständlich. Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass Essverhalten nicht nur kopfgesteuert ist, sondern auch emotional ist. Deshalb gibt es auf diese Frage keine „richtige“ Antwort. Ich könnte jetzt behaupten, dass Gemüse, Vollkorn, Wasser, Obst und so weiter „optimal“ sind. Der Mensch ist jedoch keine Maschine und mag es auch sehr gerne, unvernünftig zu sein und etwas zu erleben. Genauso wie es zum Menschsein dazu gehört, sich ausgewogen und vernünftig zu verhalten, gehört es eben auch dazu, die „verbotenen“ Dinge bewusst und wertschätzend, das heißt ohne schlechtes Gewissen, genießen zu können.

Das heißt, man darf sich ruhig auch mal etwas gönnen?

Auf jeden Fall. Wichtig ist aber, zu wissen, dass Genuss sich selbst begrenzt und dass das letzte Stück der Schokoladen-Tafel selten genussvoll ist. Wenn wir also dieses Gönnen bis zum Extrem ausreizen, hat das weder mit Vernunft noch mit Genuss zu tun. Erst dann wird es wirklich „ungesund“.

Klingt eigentlich einfach. Dennoch machen sich die Menschen gefühlt heute so viele Gedanken über ihre Ernährung wie nie zuvor. Warum ist das so?

Das ist schon irgendwie paradox. Während eigentlich jedes Kind schon weiß, was gesunde Ernährung bedeutet, sind so viele Erwachsene scheinbar verunsichert und wissen nicht so recht, was sie essen sollen. Ernährung ist heute wesentlich mehr als Nährstoffe und Wissenschaft. Immer mehr Menschen definieren sich über das Essverhalten und befriedigen darüber verschiedenste Bedürfnisse. In den verschiedenen Ernährungsweisen und Philosophien, die es heute gibt, erhalten wir vor allem in den sozialen Medien das Gefühl von Zugehörigkeit und Identität. Wir sind etwas Besonderes und können uns auch von anderen Menschen zum Beispiel über moralische Überlegenheit abgrenzen. Zudem gibt es das Gefühl von Sicherheit und Kontrolle, sich nach bestimmten Regeln zu ernähren. Es würde uns sicherlich gut tun, das Thema Ernährung weniger über den Kopf zu steuern und wieder etwas mehr unseren Körpersignalen zu vertrauen.

Sie plädieren für Intuition und gesunden Menschenverstand – für wie sinnvoll halten Sie vor dem Hintergrund Diäten und Fastenkuren?

Ich kann den Reiz schon verstehen: Diät-Konzepte verkaufen den greifbaren Traum vom perfekten Körper und triggern unseren Effizienzgedanken. Am liebsten hätten wir gerne eine Pille, die uns in kürzester Zeit unseren Traumkörper verschafft. Ob gesund oder nicht, ist da auch eher nebensächlich. Da Menschen häufig ungeduldig sind, wünschen wir uns die schnelle Lösung und möchten nicht langfristig und vernünftig handeln. Die Experten sind sich aber einig, dass Diäten auf vielen Ebenen kontraproduktiv sind. Verhalten lässt sich am besten und gesündesten „Schritt für Schritt“ verändern, da Veränderung auch immer ein Stressfaktor darstellt. Die psychologischen Faktoren von Verhaltensänderungen sollten an dieser Stelle verstanden und reflektiert werden, um zu erkennen, dass Geduld und Ruhe zentrale Schlüssel sind, wenn wir Verhalten nachhaltig verändern möchten. Es macht immer Sinn ganzheitlich und nachhaltig zu arbeiten, damit Erfolge auch nach langer Zeit bestehen bleiben und das Spiel nicht immer wieder von vorne losgeht.

Aktuelle Tages-Intensivseminare „Ernährungspsychologie“ unter folgendem Link.

By | 2018-05-03T14:54:40+00:00 März 7th, 2018|Ernährungspsychologie|0 Comments

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