Kinder & Selbsthass dank Fitnesswahn

Während ich in meiner Branche beobachten darf, wie schon Kindern erklärt wird wie sie sich zu verhalten haben um bloß nicht dick zu werden, bekomme ich Gänsehaut, wenn ich mir die aktuellen Ereignisse anschaue. Alleine in den letzten 3 Monaten hat sich in Schulprojekten, an denen ich mit Jugendlichen (Klasse 7 – 9) arbeiten durfte, ein ernstzunehmendes Tabuthema herauskristallisiert. Essstörungen und selbstverletzende Verhaltensweisen beginnen meist im Alter zwischen neun und elf Jahren und werden oft schlicht und einfach nicht erkannt. Während sich die heutigen Erwachsenen vor nichts mehr scheuen, wenn es darum geht endlich dünn zu sein, so ist es vor allem dank des Social Media wichtig, mit Jugendlichen offen darüber zu diskutieren.

Jede Woche sind wir mit mehreren tausend bearbeiteten Bildern konfrontiert, die ein markelloses Körperbild präsentieren, welches nicht der Realität entspricht. Instagram, Facebook und Co. züchten einen gefährlichen Perfektionismus der den Ekel vor sich selbst fördert. Jeder, der nicht nachkommt fühlt sich im direkten Vergleich schlecht, wertlos und falsch. Viele Erwachsene sind überfordert und zu vorsichtig, wenn es um die sensiblen Themen „Selbsthass“ und „Angst“ geht.

Noch vor 6 Wochen haben wir im Team eine Projektwoche an einer Schule durchgeführt und einfach mal den offenen Diskurs gewagt. Um die Diskussion über den eigenen Körper in Gang zu bringen, starteten wir mit den beiden Fragen: „Wer fühl sich zu dick?“ und „Wer sich zu dünn? Mit Handzeichen sollten sich die Kinder freiwillig melden. Bemerkenswert wahr, dass sich alle Kinder gemeldet haben. Keines der Kinder war mit dem eigenen Körper zufrieden oder hat sich bei der Frage enthalten. Ein Kind hatte sich sogar bei beiden Fragen gemeldet und fühlte sich sowohl zu dünn und als auch zu dick. Auch in dieser Woche kamen anfangs dünne Kinder auf mich zu und wollten am liebsten Diättipps. Sie erzählen mir, dass sie Ihre Oberschenkel nicht mögen und sich vor sich selbst ekeln.

Wo führt der propagierte „Fitness-Lifestyle“ hin, wenn es scheinbar nichts mehr mit Vernunft und Gesundheit zu tun hat? Selbst auf den vielbesuchten Fitnessmessen geht es nur noch um die Selbstoptimierung und ich frage mich, welche Botschaft bei Kindern ankommt? „Hauptsache dazugehören“ und „Hauptsache was besonderes sein“ – koste es was es wolle?

Im offenen Gespräch mit einer vertrauten Schulklasse kristallisierten sich nach 3-4 Tagen immer mehr Dinge heraus. Von kleineren Mutproben mit Selbstverletzung, der Versuch den Finger in den Hals stecken nach dem Essen, Suizidgedanken beim Einschlafen, sich selbst kratzen und ritzen, bis hin zu lebensgefährlichen Mutproben mit finaler Aufforderungen zum Suizid die angeblich über Facebook kursieren und mir von mehreren Kindern unabhängig voneinander bestätigt wurden. Das ist die Realität! Es ist fatal, dass diese Geschichten und Verhaltensweisen für viele Kinder bekannt sind und Erwachsene nicht selten die Augen vor diesen Tabuthemen verschließen. Ein Kind sagte mir, dass es sogar schonmal nach Hilfe bei einem Betreungslehrer gefragt hatte, fühlte sich jedoch von diesem nicht verstanden und nicht ernst genommen. Ich erinnere noch einmal an dieser Stelle: Diese Geschichten haben mir Kinder im Alter von 12 Jahren erzählt!

Sind wir gute Vorbilder für die nächste Generation, wenn wir täglich auf der Waage stehen, unsere Laune von dessen Zahlen abhängt und wir uns sichtlich selbst abstoßend finden, wenn wir nicht „in shape“ sind? Was vermitteln wir den Kindern, wenn wir uns unters Messer legen, Diätpillen schlucken und fasten?

Es kann doch nicht sein, dass es Kindern tränen ist die Augen treibt, wenn man Ihnen einfach und aufrichtig sagt: „Du bist genug“.

Ich hoffe, dass die Themen „Selbstachtung“, „Angst“,“Autoagression“ und „Ernährungspsychologie“ mehr vermittelt werden – auch an Erwachsene.

Neue Seminare zu den Themen Gesundheits- & Ernährungspsychologie, Persönlichkeitsentwicklung, Suchtverhalten, Motivation, Selbstführung und Stressmanagement.

Termine und Informationen auf www.letz-go.de

 

By | 2018-05-03T14:54:40+00:00 Februar 13th, 2018|Ernährungspsychologie|0 Comments

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