Ernährungsinformation versagt & gibt ab an die Ernährungspsychologie

Meta-Analysen zeigen mehr und mehr, dass die klassische Ernährungstherapie bei Adipositas und Übergewicht langfristig nicht funktioniert. Während eine Therapie zwar kurzfristige Erfolge verzeichnen kann, so ist die langfristige Prognose leider erschlagend. Verhaltensänderung hat scheinbar nichts mit dem Wissen über Risiken und Nährstoffe zu tun. Während schon Kinder im Grundschulalter sehr gut wissen, was gesund und vernünftig ist, so sind die tatsächlichen Vorlieben eher im Bereich der Sünden und Verbote gelagert. Deutschland hat schlicht und einfach kein Wissensdefizit, sondern tut sich mit der Umsetzung schwer.

Wie sinnvoll ist es dann immer mehr Zahlen, Daten, Fakten zu vermitteln, wenn dieses Wissen im Endeffekt keinerlei Veränderung bewirkt?

Ich bin doch nicht blöd

Dicke sind nicht dumm! Die klassische Ernährungsinformation bleibt in konservativen Schienen und versucht dem unvernünftigen Übergewichtigen zu erklären, dass Obst und Gemüse eine bessere Wahl ist als Schokolade und Kola. Übergewichtige Menschen wissen jedoch meist sehr viel über Ernährung. Nach jahrelanger Diäterfahrung und tiefgehender Fachliteratur verstehen sie sehr gut, was sie theoretisch verändern müssten um an Körpergewicht zu verlieren. Die meisten Ernährungsberater verkaufen diese Zielgruppe demnach immernoch für dumm, wenn sie der Annahme nachgehen, dass diese Gruppe es scheinbar noch immer nicht verstanden hat.

Verhalten braucht keine Daten

Die Ernährungswissenschaft hat vor allem im Bereich der Forschung, als auch im Bereich der Ernährungstherapie bei Allergien und Unverträglichkeiten ihre Sinnhaftigkeit. Wenn es jedoch um Verhaltensänderung bei Übergewicht geht, ist die Ernährungswissenschaft verhältnismäßig irrelevant: Denn Verhalten ist Psychologie. Sobald es darum geht sein Verhalten langfristig zu verändern, müssen ganz andere Themen in den Fokus gezogen werden, als dass, was im Studium der Ernährungswissenschaften aktuell vermittelt wird. Die Themenbereiche Motivation, Vertrauen, Verantwortung, Selbstachtung, Emotionales Essen, Wohlbefinden, Suchtverhalten und Körperwahrnehmung sind im Bereich Übergewicht wesentlich relevanter als Informationen über Lebensmittel, Nährstoffe und Stoffwechselvorgänge.

Essen ist Psyche

Essverhalten wird immer über Emotionen, Überzeugungen, Prioritäten und Ängste bestimmt und läuft fast immer unterbewusst ab. Diese Unterbewussten Prozesse zu thematisieren und damit bewusst zu machen, ist eine wesentlich sinnvollere Herangehensweise, als die Vermittlung von Ernährungs-Wissen. Wenn wir verstehen, warum wir uns verhalten, wie wir uns verhalten, fällt es wesentlich leichter uns zu beobachten und zu reflektieren. Erst wenn wir die tatsächlichen Ursachen für „unvernünftiges“ Verhalten kennen wird langfristige Verhaltensänderung möglich.

„Gesund“ ist sogar kontraproduktiv

Während sich einige Institutionen trotz fraglicher Sinnhaftigkeit verteidigen, dass ohne Aufklärungs-Maßnahmen wohl noch mehr Übergewicht in Deutschland herrschen würde, so lässt die psychologische Perspektive sogar vermuten, dass es sogar als kontraproduktiv zu bewerten ist, wenn einzelne Lebensmittel als „Gesund“ und „Ungesund“ bewertet werden. Das Kategorisieren in „Gut“ und „Schlecht“ fördert „Schwarz-Weiß-Denken“ und fördert auch ein schlechtes Gewissen. Nachdem „ungesunde“ Dinge verzehrt werden fühlen wir uns schlecht und glauben etwas „falsch gemacht zu haben. Allein dies verringert die Möglichkeit Genuss beim „Sündigen“ zu verspüren. Die Selbstverurteilung nach dem Verzehr bewirkt eine Selbstabwertung die wiederrum eine Ursache für unvernünftiges und autoagressives Verhalten ist. Wer sich selbst nicht mag, möchte sich nicht Gutes tun und tendiert eher zu ungesundem Verhalten. Auch das „Ungesunde“ bekommt durch diese Bezeichnung einen sehr reizvollen Beigeschmack, da limitierte und verbotene Dinge einen sehr besonderen Wert haben. Denn all das was selten ist, ist automatisch etwas Besonderes.

Es darf viel tiefer gehen

Nachdem sich in den letzen Jahren sämtliche Diäten und Ernährungskonzepte ausgeschöpft haben, scheint auch der Letzte verstanden zu haben, dass sich Verhaltensänderung nicht einfach nur durch Willenskraft umsetzen lässt. Die Ernährungspsychologie geht viel tiefer. Während Zahlen, Daten und Fakten eher oberflächlich, auf rationaler Abende verarbeitet werden, so kommt das Thema der Ernährungspsychologie mit spannendem Storytelling an die tatsächlich emotional aufreibenden Themen herran. Von dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit, dem Geltungsdrang, dem Perfektionismus, der Harmoniebedürftigkeit, dem Rollenverständnis einer Leistungsgesellschaft und der Emotionsregulation durch Stressessen: Jeder weiß sehr genau, worum es geht und weiß auch manchmal nicht, ob er darüber lachen oder weinen soll.

Aktuelle Tages-Intensivseminare „Ernährungspsychologie“ unter folgendem Link.

By | 2018-05-03T14:54:40+00:00 Februar 26th, 2018|Ernährungspsychologie|0 Comments

Cookie Preference

Please select an option. You can find more information about the consequences of your choice at Help.

Select an option to continue

Your selection was saved!

Help

Help

To continue, you must make a cookie selection. Below is an explanation of the different options and their meaning.

  • Accept all cookies:
    All cookies such as tracking and analytics cookies.
  • Accept first-party cookies only:
    Only cookies from this website.
  • Reject all cookies:
    No cookies except for those necessary for technical reasons are set.

You can change your cookie setting here anytime: Impressum. Impressum

Back