Die „Weniger-Essen“-Psycho-Tricks

Während die meisten Menschen relativ gut wissen, was sie verändern müssten um abzunehmen, scheint das eigentliche Problem in der Umsetzung zu liegen. Der plumen Aussage „Iss halt einfach mal weniger“ stehen offensichtlich einige Widerstände entgegen, die uns mitunter garnicht bewusst sind. Neben vielseitiger Informationen zu Lebensmittelinhaltsstöffen und Ernährungskonzepten, wird nach wie vor sehr häufig missachtet, dass Menschen schlicht und einfach viel zu viel und regelmäßig über das Sättigungsgefühl hinaus essen.

Warum essen wir mehr als wir brauchen?

Fressneid: Wir sind gedanklich immer schon bei der nächsten Portion. Es gibt Studien die aufzeigen, dass derjenige, der mit dem Blick zum Buffet sitzt mehr isst, als derjenige, der mit dem Rücken zum Buffet sitzt. Fressneid ist hierbei ein zentraler Grund, warum wir mehr essen als wir brauchen.

Preis-Leistungs-Verhältnis: Wir lieben es, möglichst viel Essen für möglichst wenig Geld zu bekommen und bevorzugen daher große Jumbo-Packung mit besserem Preis-Leistungs-Verhältnis. Die größeren Portionen bewirken, dass wir mehr essen als wir brauchen.

Mehr ist mehr: Große Portionen sind ein Qualitätskriterium. Wir lieben XXL-Schnitzel und Riesenburger. Restaurants bewerben ihr Lokal mit weltrekord-verdächtigen Super-Angeboten. Wir lieben Extreme und wollen etwas besonderes sein. Vernunft ist hierbei kein Argument.

Geiz ist geil: „Ich habe es ja bezahlt“ und „Es muss sich ja lohnen“. Am Buffet mit „all you can eat“ greifen wir richtig zu, da wir möglichst effizient konsumieren möchten. Geiz und Gier treiben das Essen mit großem Tempo in unseren Mund.

Nachkriegs-Angst: Wenn wir unsere Freunde zum Essen einladen, wird nach wie vor „viel zu viel“ gekocht. Lieber noch 1-2 Portionen mehr zubereiten, damit jeder genug hat. Lieber zu viel als zu wenig ist die Devise. Rezeptbücher der letzten Jahrzehnte zeigen, dass die Portionsgrößen vergleichbarer Rezepte stetig vergrößert wurden.

Essensreste: Ein riesiger Diskurs über das „Wegschmeißen“ von Essen. „Iss deinen Teller, dann scheint morgen die Sonne und in Afrika sterben Kinder“. Die Angst vor Essensresten treibt uns das Essen in den Mund, obwohl wir längst satt sind.

Alpha-Tier-Verhalten: „Wer das größte Schnitzel schafft hat gewonnen“. Von Kampftrinken bis Wettessen, wir lieben den Wettkampf und messen uns im Konsum. Allein der Satz „schaffst du das noch?“ hat nicht viel mit Sättigung zu tun sondern hinterfragt eher die körperlichen Volumen-Grenzen als das Sättigungsempfinden.

Rollenspezifisches Verhalten: „Ein echter Mann bestellt sich keine kleine Pizza und wer das alkoholfreie Bier trinkt ist eine arme Socke.“ Wer Angst hat kein „echter“ Mann zu sein, wird sich viel Mühe geben „typische männliche“ Verhaltensweisen an den Tag zu legen um von den männlichen Kollegen als echter Mann anerkannt zu werden. „Viel und fettig Essen“ gehört auch dazu.

Emotionales Essen: Stressessen ist vermutlich die große Ursache für übermäßiges Essen. Emotionales Essen ist als Trance-Zustand zu verstehen, in welchem so etwas wie „Sättigung“ kaum noch wahrnehmbar ist. Emotionales Essen hat nichts mit physischem Hunger zu tun

Effizienz: „Ich geh mal schnell eine Kleinigkeit essen“? Wer „effizient“ sein möchte der wir auch schnell essen und sich keine Zeit für bewusstes und genussvolles Essen nehmen.

Multitasking: Leben im Autopilot. Wer verhalten verändern möchte, der musst bewusst neue Entscheidungen treffen. Beim Multitasking sind wir im „Autopilot-Modus“ und machen Alles wie immer. Es ist schwerer Sättigung wahrzunehmen, während wir uns mit anderen Dingen befassen.

Sich diese Effekte vor Augen zu führen ist ein entscheidender Schritt für die Verhaltensänderung. Wenn Sie sich dessen bewusst sind, ist es wesentlich einfacher Veränderungen vorzunehmen. Aufbauend auf die aufgeführten Effekte folgen nun die Psycho-Tricks die genau an den Ursachen für übermäßiges Essen greifen.

Die Psycho-Tricks: Was können Sie tun?

Jeder dieser Tipps ist mit Widerständen geknüpft. Je nachdem was für ein Mensch Sie sind, desto schwerer wird Ihnen der ein oder andere Tipp fallen. Viel Spaß beim Ausprobieren!

Der kleine Teller: Da wir dazu tendieren den Teller leer essen zu wollen und gerne schnell essen, kann die Wahl eines kleineren Tellers einiges bewirken. Wir essen insgesamt langsamer, da wir zwischendurch nachnehmen und überlegen häufiger ob wir satt sind, da der Teller öfter leer ist.

Lass liegen-Training: Trainieren Sie etwas liegen zu lassen. Dabei reicht es anfangs völlig aus nur eine Gabel vom Essen auf dem Teller liegen zu lassen und dies emotional auszuhalten. Überhaupt etwas liegen lassen zu können ist die Voraussetzung aufzuhören, wenn man satt ist. Sie lernen wieder auf Ihr Körpergefühl zu achten und können in anderen Situationen mehr als nur die Gabel liegen zu lassen.

Nimm mit: Keine Angst davor geizig zu wirken! Zeigen Sie dem Kellner, dass es Ihnen geschmeckt hat und lassen Sie die Reste einpacken. Halten Sie es aus, dass es Ihnen unangenehm sein könnte, da Sie schließlich gierig und geizig wirken könnten. Sie haben nicht das Gefühl etwas „verschwendet“ zu haben und es fällt Ihnen leichter etwas auf dem Teller liegen zu lassen.

Koch weniger: Kaufen Sie mal bewusst weniger ein und kochen kleine und schön-angerichtete Portionen. Ein gelungener Abend muss nicht immer mit Bauchschmerzen enden. Im Restaurant kann eine Variante sein, mit Anderen das Essen zu teilen. Hierbei darf man das Gefühl aushalten, dass andere einem etwas wegessen könnten.

Machs bewusst: Machen Sie sich Notizen wenn Sie mal wieder unkontrolliert in emotionales Essen bis zum Bauchschmerz gerutscht sind. Erkennen Sie, dass es mal wieder weit über das Sättigungsgefühl hinaus ging. Vielleicht können Sie sogar zuordnen warum Sie über die Stränge geschlagen haben.

Nur eine Sache: Genießen Sie Ihre abendlichen Snacks bewusst, schalten Sie den Fernseher aus und setzten Sie sich mit den Snacks an den Küchentisch. Sie kommen sich dabei komisch vor? Probieren Sie es aus – offensichtlich geht es beim Snacken vorm Fernseher garnicht ums Essen, sondern um einen unterbewussten und eintrainierten Autopiloten.

Kau-Methode: Legen Sie nach jedem Bissen Ihr Besteck an die Seite und kauen Sie bis Ihr Mund wieder leer ist. Erst jetzt dürfen Sie das Besteck wieder berühren. Das Gefühl, was bei dieser Übung aufkommt ist Ungeduld. Halten Sie es aus. Diese Übung ist eine der besten Übungen, wenn es darum geht das Essen langsam und bewusst wahrzunehmen.

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By | 2018-05-03T14:54:40+00:00 Februar 5th, 2018|Abnehmen, Ernährungspsychologie|0 Comments